Zusammen mit Marian von Rappard von DAWN DENIM war ich Gast bei Komfortzone Neuland - eine Eventreihe um die Komfortzone zu verlassen. Das Thema war diesmal, wie man zum Nachhaltigkeitspionier in seiner Organisation wird. Marian ist philantropischer Unternehmer in der Textilbranche und es war spannend seine Seite zu hören, denn er hat sein Unternehmen intuitiv nachhaltig aufgebaut. Meine Sicht aus der Unternehmensberatung kommt weiter unten dazu. Hier die Zusammenfassung des Interviews:

Marian, wie spiegelt sich dein Verständnis von Nachhaltigkeit in deinem Unternehmen wieder?

Die nachhaltigste Jeans ist sicherlich die, die du in deinem Kleiderschrank hast. Dennoch wollen wir mit DAWN Denim zur Transformation der Modebranche beitragen mit dem Ziel, eine KREISLAUFWIRTSCHAFT zu schaffen. Soziale Verantwortung wird in dieser Branche eher vernachlässigt. Es ist normal, dass ein Brand von einer Fabrik zur anderen geht.

Am Anfang sind wir nicht systematisch vorgegangen. Für uns als Unternehmen mit einem klaren Purpose und Menschen im Fokus sind manche Sachen selbstverständlich: GUTEARBEITSBEDINGUNGEN, FAIREBEZAHLUNG, KONTAKT zu unseren Lieferanten.

Welche Tipps hast du für Organisationen, die Postwachstumsziele beispielsweise in einer Fast Consumer Branche implementieren möchten?

Meine Empfehlung ist es

  • DIE SUPPLY CHAIN KENNENZULERNEN – nicht die Stecknadel auf der Landkarte, sondern die Menschen dahinter.

Wir gehen mit unseren Lieferanten in einen direkten Austausch mit dem Ziel, gemeinsam den Weg Richtung nachhaltiges Wirtschaften zu gestalten.

Beispielsweise kündigen wir nicht einfach Verträge. Angenommen, ein Zulieferer betreibt seine Fabrik noch mit Kohle. Dann suchen wir nicht einfach einen Ersatz, sondern wollen ihn dabei unterstützen, dass er sich verändern kann.

Aus deiner Erfahrung: Was zählt, um Mitarbeiter:innen und Konsument:innen von einer nachhaltigen Mission zu überzeugen?

Es ist viel einfacher, verantwortungsvoll zu agieren, wenn wir die Menschen kennen, die von unserem Verhalten betroffen sind.

Grundsätzlich stehen bei uns die Menschen im Vordergrund. Wir haben uns von Anfang an gefragt, was es braucht, um das Unternehmen so verantwortungsvoll wie möglich zu führen.

Drei Beispiele, wie wir das umsetzen:

  1. In Vietnam haben wir von Anfang an ein Gehalt bezahlt, das über dem LIVING WAGE liegt.
  2. Wir reflektieren kontinuierlich darüber, was es braucht, um in einer fremden Kultur die BEDÜRFNISSE der Mitarbeiter:innen einzubeziehen.

Wir gehen mit GUTEM BEISPIEL voran und kommunizieren, weshalb und wofür wir etwas tun. In Vietnam organisieren wir zum Beispiel BEACH CLEAN-UPS oder führen KAMPAGNEN zur allgemeinen Aufklärung zum Thema Umweltschutz durch

Was ist euer nächster Schritt?

Aktuell testen wir das Tool Re-Trace, was auf Blockchain-Technologie basiert. Wir wollen unsere wachsende DATENMENGE und TECHNOLOGIE besser nutzen, um mehr TRANSPARENZ beim CO2- und Wasser-Footprint zu schaffen. Auf unseren Produktseiten sind bei den Icons über den Produktnamen RE-TRACE WIDGETS hinterlegt, welche dann per Mausklick die Lieferkette komplett zeigen

Patricia, was ist aus deiner Sicht wichtig, um einen nachhaltigen Grundansatz ins Unternehmertum reinzubringen und wie wird daraus Praxis?

Egal, ob etabliertes oder junges Unternehmen empfehle ich:

  • FOKUSSIERT EUCH AUF DREI BIS FÜNF SDGS und tausche dich mit deinen Stakeholdern dazu aus. Durch eine Wesentlichkeitsmatrix wird es deutlich, wo du und deine Stakeholder die größtmögliche Wirksamkeit haben.
  • HOLT DEN EINKAUF MIT AN DEN TISCH, um die größten Einkaufsvolumina zu identifizieren und den Dialog mit den Lieferant:innen zu suchen. Dabei ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit essentiell, um gemeinsam Veränderung anzustoßen.
  • DENKT DIE STRUKTUR IM UNTERNEHMEN MIT: Wer übernimmt welche Rollen und Verantwortlichkeiten bei der Planung und Umsetzungen von neuen Prozessen und Maßnahmen. 
  • STELLT EUCH AUF KONFLIKTE UND WARTEZEIT EIN. Veränderung führt zu Reibung. Und eine Wirksamkeit zeigt sich in der Regel erst durch ein gesteigertes Engagement und Motivation unter Mitarbeiter:innen. Monetäre Ergebnisse lassen auf sich warten.
  • NEHMT MITARBEITER:INNEN MIT AUF DEN WEG, zum Beispiel durch offene Kommunikation, Events, Workshops und Weiterbildung.

Patricia, welche relevanten Quellen, Checklisten, Anleitungen oder Vorlagen gibt es für Brands und Kunden?

Die Fragen in unserem SELBSTCHECK helfen Organisationen auf den Weg. Zudem bietet das Bundesministerium ein gratis ROHSTOFF-TOOL an, um das potentielle CSR-Risiko von Rohstoffen zu checken. Mit dem ECO-COCKPIT kann man seinen Footprint schätzen. Der SDG Action Manager hilft euch in einer größeren Organisation dabei, eure Fortschritte formalisiert für ein SDG zu tracken. (Achtung: hoher bürokratischer Aufwand!)

Bezüglich FÖRDERUNG bietet das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie bis zu 80% Kostenübernahme bei Energieberatung oder Energieaudits. Das IHK bietet eine kostenlose Erstberatung. Energieeffizienznetzwerke bietet auch Fördermöglichkeiten.

Marian, was nimmst du aus dem Komfortzone: Neuland Event für dich mit?

Ich merke jetzt, dass die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN sehr interessant sind, um einen stärkeren Dialog mit Geschäftspartner:innen zu starten. Dadurch wird es zu einer globalen Initiative mit einer klaren Zielvorstellung statt nur meine persönliche Mission.

Was haben Sie von Marian's Herangehensweise lernen können? Was war überraschend?

Hat diese Beitrag Sie ein Stück näher an den Wandelpunkt gebracht? War Mehrwert dabei? Verraten Sie uns, was wir noch besser machen können!